Service Aktuelles
 02.06.2016

Aufstocker Alg I und II

Jeder zehnte Arbeitslosengeldempfänger bezieht ergänzende Hartz-IV-Leistungen.

Im Jahresdurchschnitt 2015 gab es bundesweit 91.538 der von der Bundesagentur für Arbeit als Aufstocker bezeichneten Parallelbezieher von Arbeitslosengeld und Hartz IV-Leistungen.

Damit bezog über jeder zehnte Arbeitslosengeldempfänger zusätzlich Hartz IV (10,2 Prozent Anteil Aufstocker an Alg-Empfängern). In Ostdeutschland waren es sogar 14,2 Prozent.

2011 waren es erst 80.364 mit einem Anteil von 9,1 Prozent gewesen.

Von den 91.538 Parallelbeziehern im Jahr 2015 lebten 41.306 als Single-Bedarfsgemeinschaft, mit einem Anteil von 4,6 Prozent an allen Arbeitslosengeld-Empfängern. 2011 waren es erst 34.143, mit einem Anteil von 3,9 Prozent.

Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine entsprechende Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor.

Die stellvertretende Vorsitzende und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Sabine Zimmermann, erklärt dazu:

„Das Arbeitslosengeld als Versicherungsleistung, für das man oft viele Jahre eingezahlt hat, ist für immer mehr Erwerbslose keine Garantie mehr, im Falle der Erwerbslosigkeit einigermaßen finanziell über die Runden zu kommen. Viele Erwerbslose müssen daher beim Jobcenter zusätzlich Arbeitslosengeld II beantragen. Hier spiegeln sich Niedriglöhne und auch die wachsende Teilzeitbeschäftigung wider. Der Niedriglohnbereich muss endlich effektiv bekämpft werden. Der gesetzliche Mindestlohn ist auf 12 Euro die Stunde anzuheben. Die professionelle Ausbeutung durch Leiharbeit muss abgeschafft werden.

 

 

Aber auch die unfreiwillige Teilzeitbeschäftigung muss überwunden werden. Das existenzsichernde Normalarbeitsverhältnis muss für deutlich mehr Menschen möglich werden.“

Zimmermann weiter:

„Grundsätzlich muss das System der Arbeitslosenversicherung gestärkt werden. Im Falle der Arbeitslosigkeit muss das Arbeitslosengeld existenzsichernd sein. Dazu muss auch ein Mindestarbeitslosengeld eingeführt werden, damit bei Bedarf ein ergänzender Hartz-IV-Bezug und der damit verbundene Verwaltungsaufwand vermieden werden. Die Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf das aktuelle Grundsicherungsniveau muss vom Bundeshaushalt über Steuern finanziert werden. Es geht aber auch darum, dass wieder mehr Menschen überhaupt Zugang zum Arbeitslosengeld erhalten. Viele erwerbslos werdende Beschäftigte fallen gleich in Hartz IV, da sie innerhalb der so genannten Rahmenfrist keine Ansprüche auf Arbeitslosengeld aufgrund einer zu kurzen Beschäftigungszeit erwerben konnten. Die Rahmenfrist muss wieder von derzeit 24 Monaten auf 36 Monate ausgedehnt werden. Dann würden auch wieder mehr Menschen von der Arbeitslosenversicherung profitieren.“